Exoten am Vareser See

10. Schneider-Cup in Italien

von Hans Wagner

Giorgio Fagioli M 33 bei der Fahrt zur Startstelle. Ein Wendigkeitstest gehtirt zum Programm

Aufgrund der Scale-WM in Gorizia fand der 10. Schneider Cup des AC Varese erst am 8. und 9. Oktober 1988 statt. Normalerweise ist der Termin für diesen Wettbewerb einen Monat früher; so ist es môglicherweise zu erklâren, daß in diesem Jahr keine Teilnehmer aus England nach Italien kamen. Der diesjährige Cup war somit eine rein italienisch-französische Angelegenheit, da meine Morane Saulnier 1913 nicht rechtzeitig fertig wurde.

Austragungsort war auch in diesem Jahr wieder Gavirate am Vareser See. Am Samstagnachmittag waren plötzlich wie aus dem Nichts dreizehn Schneider Cup-Modelle am Wettbewerbsgelände aufgebaut worden. Hektische Betriebsamkeit herrschte an dem Ort, wo eineinhalb Stunden vorher noch nichts auf einen Modellflugwettbewerb hindeutete. Die Modelle waren durchweg sehr sauber gebaut, Unterschiede fand man beim näheren Hinsehen in der Detailausführung und den Lackierungen. Keiner der Teilnehmer hatte die Form und die Umrisse der Schwimmer optisch sichtbar geändert. Aufgrund der Anhebung des Abfluggewichts auf 7 kg sowie des Hubraums auf 15 ccm-Zweitakt bzw. 20 ccm-Viertakt (bei den einmotorigen Modellen) sind die Modelle geringfügig größer geworden, das Fluggewicht hat dagegen eher abgenommen. Durch die riesigen Schwimmer kann man die Modelle nicht so ohne weiteres vergrößern, denn schließlich sind es ja Rennflugzeuge, die man nachbaut!

Die Bau- und Flugbewertung wurde von fünf Punktrichtern durchgeführt. lm Gegensatz zu früheren Jahren, wo die Modelle regelrecht abgetastet wurden, hatte man sich jetzt auf eine allgemeine Beurteilung aus drei Metern Entfernung geeinigt, Details wurden aus einem Meter Abstand begutachtet. Für die Baubewertung hatten die Teilnehmer eine Dreiseitenansicht und drei Fotos vom Original vorzulegen. Schriftliche Farbangaben reichen aus, da es aus den frühen Zeiten des Schneider Cup keine Farbfotos gibt und auch nur einige wenige Originalflugzeuge erhalten geblieben sind.

 
Hier sind deutlich die stark gekielten Schwimmer der Supermarine S 5 zu sehen. Ein Gleiten wird durch die niedrige Stufenhühe erschwert
 
Rechts Ettore Bizzozero mit seiner Mini-Savoia 21

Nach der Baubewertung lag Carlo Martegani (I) mit seiner bekannten Macchi M7 vorne, dicht gefolgt von Alain Vassel (F) mit der abstrakten Pegna PC 7. Weiter folgten Jean Doyen (F) mit Supermarine S 5 und nochmals Alain Vassel mit seiner Savoia S 65 und der Morane Saulnier 1913. Während die Baubewertung auf vollen Touren lief, versuchte Claudio Pagani die Macchi Castoldi MC 72 seines Vaters Guiseppe in die Luft zu bringen. Das Modell war weder zu schwer noch hatte der 40er OPS zuwenig Kraft; das Modell hob einfach nicht ab. Auch Carlo Martegani hatte Probleme mit seinem nagelneuen Modell eines Henry-Farman-Doppeldeckers von 1913. Hier lag es aber am Keilriemen seines Getriebes, der seine Zâhne in kürzester Zeit abgeschliffen hatte, noch ehe der 15er OS-Viertakter zu laufen begann.

Mauro und Giorgio Fagioli suchen nach der Ursache für das plützliche Klappem an der Macchi M 17.

lm Hintergrund Mauros laute Fiat C 29

Nach der Baubewertung traf man sich in einem nahegelegenen Restaurant. Die Überraschung des Abends war perfekt, als aus einigen großen Pappkartons zwanzig Nachbauten von Schneider-Rennflugzeugen auf einen Tisch kamen. Die Modelle waren aus vollem Holz, fein detailliert und sauber lackiert. Die beiden Erbauer Silvio Taberna und Liciano Piazzai haben schon über 1000 (!!) Modelle im Maßstab 1:20 in ihrer Sammlung, was wohl »Guinnesbuchverdächtig« sein dürfte.

Am Sonntag begannen die Wertungsflüge pünktlich gegen 9 Uhr. Wie auch in den Jahren zuvor geben einige Schneidermodelle sehr gute Rennbote ab. Zum Leid ihrer Erbauer kommen diese Modelle trotz guter Motorisierung nicht aus dem Wasser, sondern führen wilde Tänze vor. Diesesmal traf es die Piloten der moderneren Nachbauten, da die Original-Schwimmer eine sehr starke Kielung haben. Diese Schwimmer liefern beim Modell zuwenig Auftrieb, um das Modell optimal ins Gleiten zu bringen. Vorteile haben da die Flugzeuge mit flachem oder wellenförmigen Schwimmerboden.

Wie nicht anders zu erwarten legte Massimiliano Comolli, der Marteganis Macchi M7 souverän beherrscht, einen guten Flug vor. Der Start war schön flach, seine fünf Pylonrunden flog er ganz ordentlich und die Landung war butterweich. Ettore Bizzozeros Modell, eine Savoia 21, das kleinste ferngesteuerte Schneidermodell das ich bisher sah, durfte den Jungfernflug im ersten Durchgang machen. Da das Modell von Roberto Furnari gesteuert wurde, konnte Ettore nach dem erfolgreichen Start vor Freude einige Purzelbäume schlagen. Pietro Bellingeri fliegt seine Modelle selbst. Diese sind zwar nicht die sauber gebautesten Modelle, dafür fliegen sie immer. Mit semer Macchi M 33, motorisiert mit einem 15er Super Tigre, belegte er schließlich den dritten Platz in der Endabrechnung.

Blanchard von Pietro Bellingieri

Supermarine S 5 - Pegna PC 7

Saulnier 1913 von Vassel - Henry Farman Doppeldecker 1913

Macchi M 7

Henry Farman und Macchi M7

Das Modell, auf das alle warteten, war die Pegna PC 7 von Alain Vassel. Wie das Original wird auch das Modell durch einen Schiffsschraubenantrieb auf die beiden vorderen Stützfüße, ähnlich einem Tragflächenboot, gehoben. Jetzt wird die Pegna mit dem Flugmotor, der über eine Fliehkraftkupplung und Fernwelle den Propeller antreibt, weiter beschleunigt. Durch die fehlenden Schwimmer liegt das Modell satt und schnell in der Luft. Rennatmosphäre kommt auf, die Zuschauer jubeln und die Punkrichter freuen sich über den guten Flug.

Alain Vassel wird mit seiner Pegna PC 7 Sieger des 10. Schneider Cup und erhält zusätzlich noch den Pokal für die komplizierteste Konstruktion. Mit seinem Spitzenflug hatte er Carlo Martegani auf den zweiten Platz verwiesen. Giorgio Fagioli schob sich mit seiner Macchi M33 auf den vierten Platz. Dahinter Pietro Bellingieri mit seiner Blanchard und Ettore Bizzozero mit dem Mini-Schneider-Racer.

Meine eigene Morane Saulnier 1913 wird sicherlich bei Erscheinen dieses Berichts fertig sein. Ich will nur hoffen, daß ich beim nächsten Schneider Cup nicht der einzige deutsche Teilnehmer sein werde! Am 2. und 3. September 89 soll in der Nähe von Thonon am Genfer See ein SemiscaleWasserflugwettbewerb und ein Schneiderpokalfliegen stattfinden. Außerdem können Sie mit einem Schneiderflugzeug auch vom 29. April bis zum 1. Mai in Bregenz am Bodensee in der Semiscale-Klasse mitfliegen. Der schon traditionelle Graupner-Bodenseepokal in Hagnau wird am 16. und 17. September stattfinden. - Wer gerne die Winterzeit zum Bau einer Schneidermaschine nutzen möchte, dem stehe ich gerne für weitere Auskünfte zur Verfügung: Hans Wagner, 8109 Wallgau, Isarstr. 3; Tel. (0 88 25) 2 48 ab 19 Uhr.

Modellflug international 1/89

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